Sanaa

Ausblicke von der Terrasse des Hotels Burj al Salam und ein großer Rundgang durch die Altstadt

Wir hatten einen Nachtflug mit der Jemenia von Cairo nach Sanaa gebucht. Nach einem Routineflug über Gebiete mit wenig Nachtbeleuchtung landeten wir verfrüht um 03:30 in Sanaa. Die Wechselstube war geöffnet und nach dem Umtausch von 500 € besaßen wir ein dickes Bündel neuer Geldscheine, 2 € wurden gegen 2000 YR getauscht. Die mit uns angekommenen Passagiere verschwanden nach und nach und wir blieben allein zurück mit einem Sicherheitsbeamten. Wer nicht kam, war unser Guide. Der nervöse und ziemlich unverschämte Mensch vom Flughafen verlangte nach unserer Hotelanschrift und der Telefonnummer unserer Reiseagentur, er wollte, dass wir schnellstens die Ankunftshalle verlassen. Da der Kontakt zur Agentur kam nicht zustande kam, wurde uns ein Taxi zum Hotel nahegelegt; auf der Fahrt begleitete uns ein Polizist in Zivil. Im Hotel Bury al Salam in der Al-Alam i-Straße herrschte erst einmal Verwirrung, da keine Reservierung auf unsere Namen gefunden wurde. Schließlich erhielten wir ein Zimmer im 4. Stock des Gebäudes im traditionellen jemenitischen Stil mit Aussicht auf Teile der Altstadt von Sanaa. Kalt war es im Raum (die Stadt liegt 2200 Meter über dem Meeresspiegel, im Freien betrug die Nachttemperatur um die 0°C) und unsere Aufregung ließ nur langsam nach. Ein seltsames Geräusch, wie die Rückkopplung eines Lautsprechers, irritierte uns. Das sollte sich bald aufklären, als zum Morgengebet gerufen wurde. Der Gebetsruf ertönte vielfach leicht zeitversetzt aus der Ferne. Und von ganz nah: Das nächstgelegene Minarett mit 4 Lautsprechern und die dazugehörige Moschee, die Al Alami-Moschee, befand sich nur wenige Meter entfernt auf der gegenüberliegenden Seite der Gasse. Noch nicht eingeschlafen klingelte das Telefon und ein Mann meldete sich im Kesselstädter dialektgefärbten deutsch: Michael Hestermann, als Kind mit den Eltern aus der Hanauer Gegend nach Australien ausgewandert und seit 4 Jahren in Sanaa lebend stellte sich als unser Guide für den Jemen vor, beauftragt vom Eigentümer Fuad des Reisbüros, der abwesend war. Michael Hestermann hatte uns zusammen mit seinem Freund Mohamed al-Thor vom Flughafen abholen wollen; durch die Verfrühung unseres Flugs und dem Kat-Rausch der Beiden war das gescheitert. Da wir versuchen wollten, noch etwas Schlaf zu bekommen, verabredeten wir uns erst für 12 Uhr am Mittag. Um 09 Uhr gaben wir den Versuch zu Schlafen auf und hatten ein gutes Frühstück auf der Hotelterrasse. Als Michael eintraf, hatten wir die fantastische Sicht vom Hotel bereits intensiv genossen; mit ihm spazierten wir durch die Gassen der Altstadt von Sanaa, Michael angetan mit jemenisierter Kleidung, aber ohne Dolch. Die meisten Geschäfte im Suq waren an diesem Tag geschlossen, eine geöffnete Garküche für einen Imbiss fand sich aber doch. Unseren Weg, vorbei an einer Vielzahl von Moscheen und traditionellen bürgerlichen Wohntürmen konnten wir später leider nur unvollständig nachvollziehen.Hier und da traf Michael Hestermann auf Bekannte und wechselte mit ihnen ein paar Worte. Kinder kamen zu uns, wurden auch von ihren verschleierten Müttern dazu ermuntert, und wollten sich fotografieren lassen. Highlights des Rundgangs waren eine große, traditionelle, nur teilweise genutzte  Gartenanlage und der Besuch einer Galerie, deren Besitzer ließen uns auf die Dachterrasse des Gebäudes mit fantastischer Rundsicht. Beim Einbruch der Dunkelheit kamen wir zurück ins Hotel; für das Abendessen bedienten wir uns an einem mittelmäßigen Bufet, zusammen mit einer japanischen Reisegruppe.

Aufnahmen vom 09. Dezember 2008

Ein weiterer großer Rundgang durch die Altstadt von Sanaa

Unser Rückflug von Hadibou auf der Insel Sokotra nach Aden (mit einer Zwischenlsndung in Al Mukallah) startete etwa um 13 Uhr. In Aden konnten wir eine frühere Maschine als geplant nach Sanaa nehmen, leider galt das nicht für unser Gepäck, das wir erst nach einer dreistündigen Wartezeit verspätet in Empfang nehmen konnten. Fuad al Kadas, Reiseunternehmer (Jemen Explorer) aus Sanaa, holte uns dieses Mal persönlich ab und brachte uns zum gleichen Hotel, das wir bereits am Beginn unserer Reise bewohnt hatten; unser Zimmer war dieses Mal im 5. Obergeschoß, wir verbrachten eine ziemlich kalte Winternacht in dem unbeheizten Raum. Mit dem fast zum Greifen nahen Minarett der benachbarten Al-Alami-Moschee und ihren akustischen Darbietungen waren wir bereits vertraut. Die Nacht war für uns um 07:30 Uhr zu Ende, immerhin gab es heißes Wasser.  Um 10 Uhr holte uns Fuad, ein freundlicher und kompetenter junger Mann, für eine Kombination aus Rundgang und Taxifahrt durch die Altstadt von Sanaa ab. Unser Weg führte vorbei an einer Moschee in einem häufiger anzutreffenden Baustil, was die Unterscheidung erschwert, vorbei an einem der kleineren Garten des alten Sanaa, zum Wadi As Sailah, einer außer in der Regenzeit, wenn das Wadi wieder zum Fluss mutiert, lebhaft befahrenen Straße und weiter zum Nationalmuseum Dar as-Saad. Im Anschluss an den Besuch des Museums lud uns Fuad in ein sehr gutes Restaurant zum Essen ein; Fuad hatte beschlossen, uns mehr als Gäste denn als Kunden zu betrachten. Das nächste Ziel war der Prunkbau der neuen, vorgeblich vom damaligen Präsidenten gestifteten, Al-Saleh-Moschee, für deren Besichtigung wir uns etwas Zeit ließen. Wir hatten unser Interesse an jemenitischen Parfüms geäußert, daher orderte Fuad ein Taxi zu einem Parfümgeschäft (Sawalif Perfumes) im Suq, mit dessen Eigentümer er bekannt war. Wir probierten dieses und jenes, wurden auch in die Verwendung von Sandelholz eingeführt und bestand dann darauf, die Rechnung zu übernehmen, was wir so nicht geplant hatten. Wir liefen dann zum Stadttor Bab al-Jemen; auch hier kannte Fuad den Besitzer einer Galerie eben dem Torbau, der uns den Zugang zur Stadtmauer ermöglichte. Von dem erhöhten Ort konnten wir gut das Gedränge der Passanten verfolgen und Fotos machen. Nach diesem Intermezzo nahmen wir den Rundgang durch den Suq wieder auf; ein Geschäft, das wir betraten, war Ali Ba Ba´s Jewallery von Mohammed H. Al-Saygal & Bros. Der sympathische Inhaber hatte, wie die meisten Jemeniten am Nachmittag, eine ordentliche Menge Kat zusammen mit Kalk in eine Backentasche eingelagert, was ihn aussehen ließ, als müsste er unter schweren Zahnschmerzen leiden, was nicht der Fall war. Freundlicherweise gestattete er ein paar Porträtaufnahmen. Da uns das Geschäft als vertrauenswürdig beschrieben worden war, kauften wir zwei schöne Silberketten mit jemenitischem Bernstein. Einer der letzten Eindrücke betraf eine Kajal-Mühle: Im offenstehenden Erdgeschoß eines Hauses sah man Dromedar mit Augenklappen, das in dem engen Raum beständig im Kreis um ein erhöht auf einem Podest stehendes Mahlgefäß laufen musste, um eine Art riesigen Pistill zum Zermahlen der Samen zu bewegen, um die swchwarze Farbe zu gewinnen. Unser Rückflug über Kairo nach Frankfurt sollte früh am Morgen starten. Wir überbrückten die Zeit bis zur Abholung durch Fuad al Kadas steif vor Kälte im Hotelbett; Fuad erschien schließlich für ein paar Fotos ausnahmsweise in traditioneller Kleidung, um uns abzuholen.

Aufnahmen vom 23. Dezember 2008