Tarim, Aynat/Hadramaut

Tarim am Vormittag und Mittag, Aynat am Nachmittag

Um 04:30 Uhr war für uns die Nacht zu Ende. Nach einem kurzen, improvisierten Frühstück mit unserem Guide Micheal Hestermann und seinem Freund Mohamed al-Thor fuhr uns Mohamed zum Flughafen. Unser Jemenia-Flug ging um 08 Uhr ab und landete bereits um 09 Uhr in Sayun/Hadramaut. Die ursprünglich vorgesehene Autofahrt hatten die Behörden aus Sicherheitsgründen gecancelt. In Sayun wurden wir von Abdullah mit einem großen 4Wheeldrive SUV abgeholt und zum Hotel Al-ahqaf Tourist Hotel in der Nähe des Airports gebracht. Nach einer kurzen Pause ging es weiter nach Tarim. Tarim ist ein Ort mit spektakulären Bauten im Zentrum, am Grund eines weiten, in eine Hochebene eingefressenen Wadis, das unterhalb der Stadt in das Wadi Hadramaut einmündet. Tarim ist fast völlig eingeschlossen von nackten, gelben und rotbraunen Felswänden. Mehr am Rand des Zentrums gab es auch verfallende Gebäude. Wir ließen das Zentrum auf uns wirken, warfen hier und da einen Blick auf die Markstände, u.a. mit traditionellen, spitzen Strohhüten, verschiedenen Sorten von Weihrauchharz, etwas zweifelhaften Frischfisch, Trockenfisch, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst. Nach einigem herumgekurve auf Wunsch von Michael, der die Post finden wollte, die dann aber wegen des Eid-Festes geschlossen war, brachte uns Abdullah zum sehr interessanten Museum, das sich leider in einem ziemlich schlechten Erhaltungszustand befand. In dem Gebäude, in dem noch die Symbole des untergegangenen Südjemen zu finden waren, gab es außer uns keine Besucher. Danach stellte sich wieder einmal die Frage des Mittagsessens. Wie sich herausstellte, waren wegen des Festtages alle Restaurants geschlossen. Wir trafen dann mit Fausy zusammen, der uns in Tarim, Sayun und Shibam begleiten sollte sowie auf der Fahrt nach Al Mukallah. Fausy war mit Michael befreundet und sollte als Polizist in Zivil unsere Sicherheit gewährleisten. Es gab schließlich ein einfaches, improvisiertes Mittagessen auf einer Plastikplane in einer Art Garage mit Reis, Hühnchen und Thunfisch, ungewöhnlich, und unvergesslich. Im Anbau der Halle trafen sich die Kat-Konsumenten der Umgebung, um zu kaufen, zu kauen und abzuhängen, eine bunte, desolate, ebenfalls unvergessliche Gesellschaft. Jetzt zufünft fuhren wir im Wadi Hadramaut Richtung  Aynat. Wir kamen vorbei an zerstörten Straßen, modernen Brücken und Gebäuden. Die Ursache der Zerstörung lag nur wenige Wochen zurück: Ein überdurchschnittliches Hochwasser war nach Regenfällen durch das Wadi abgegangen. Das Wadi führt jedes Jahr nur kurze Zeit Wasser, aber alle paar Jahrzehnte kommt es zu einem katastophalen Hochwasser. Die Straßen- und Brückenbauer der ausländischen Helfer hatten das offentsichtlich nicht einkalkuliert und auch manche Einheimische hatten in den trockenen Jahren dort gebaut, wo man es tunlichst nicht tun sollte. In dem kleinen Ort Ainat gibt es eine große Friedhofsanlage mit aufwendig gestalteten Kuppelgräbern; in das umzäunte Gelände durften wir nicht hinein. Wegen des Eid-Festes fanden sich Einwohner aus der Umgebung ein, insbesondere die Kinder waren festlich gekleidet. Merkwürdig unbewegliche Musiker spielten am Rand eines großen Platzes mit einem überdachten Ziehbrunnen eine seltsame, monotone Musik. Ich durfte die Musiker fotografieren, ganz wohl es dabei vermutlich nicht allen. Fauzy, der uns sagte, was geht und was nicht, saß lässig am Rand eines Podestes, mit Wickelrock, einem blaukarierten Hemd und einem um den Kopf gebundenen Tuch; was man nicht sah: Im Bund seines Rocks steckte seine Dienstwaffe. Im roten Licht des späten Nachmittags traten wir die Rückfahrt nach Sayun an. Außerhalb von Ainat lag das Bett des Wadis besonders tief und dieser Abschnitt war noch mit einem Rest des Hochwassers von Ende Oktober gefüllt, ein Fluss in der Wüste, ein seltener Anblick, den ich fotografisch unbedingt festhalten wollte. Eine Ziegenherde wurde von einem Mann und einer Frau zum Trinken geführt und dann wieder zurück in die roten und gelben Abhänge unterhalb der Hochebene. Fauzy hatte uns für einen kurzen Besuch in sein Haus eingeladen. Bei aller Modernität konnten wir nicht mit seiner Familie zusammenkommen. Wir drei Männer unterhielten uns in einer Art großen Wohnzimmers, bedient von einer noch unverschleierten vielleicht 12-jährigen Tochter während meine Frau den Frauen des Hauses ohne gemeinsame Sprache Gesellschaft leisten sollte.

Aufnahmen vom 11. Dezember 2008

Einen Kommentar verfassen