Al Mukalla, Bir Ali, Balkal/Hadramaut

Al Mukalla, Fahrt von Al Mukalla nach Bir Ali, Balkal und zurück

Nach dem Aufstehen um 07 Uhr gab es ein karges Hotelfrühstück; Fauzy hatte einen Kollegen besucht und bei ihm übernachtet, dort holten wir ihn ab und fuhren dann zum Hauptquartier der Touristenpolizei, um die geplante Tagestour nach Bir Ali bestätigen zu lassen. Es kam dann zu einer längeren verbalen Auseinandersetzung zwischen Fauzy und einem Verantwortlichen vor Ort. Durchgesetzt werden sollte die Mitfahrt eines uniformierten, bewaffneten Polizisten, für den wir allerdings im Auto keinen Platz hatten; es endete damit, dass der Polizist im Laderaum als sechste Person mitfuhr. In der Kaserne gab es auch ehemalige südjemenitische Polizisten mit deutschen Sprachkenntnissen, Ergebnis der Ausbildung in der DDR. Unsere Fahrt führte auf der Küstenstraße etwa 200 Kilometer nach Westen. Wir hielten kurz im Küstenort Burum, um Obst einzukaufen. Es folgte ein Fotostop bei einem auf eine Klippe aufgesezten historischen Wachtum und ein weiterer an der Mündung eines zumindest im Unterlauf wasserführenden Flusses, der sich vor der Querung der Straße, eingerahmt von Akaziensträuchern, seeartig ausbreitete und dann ins Meer mündete. Am Fuß der aus der schmalen Küstenebene aufsteigenden, schroffen, kahlen, magenta bis blau erscheinenden Berge hatte sich Flugsand vom Strand angelagert; in den folgenden breiteren Abschnitten der Ebene hatten sich stattliche gelbe Küstendünen gebildet. Wir erreichte dann eine Zone mit Zeugnissen von heftigen Vulkanausbrüchen; nördlich der Straße breiteten sich am Fuß eines Vulkanberges ausgedehnte, dunkelrotbraune Lavafelder aus. Ein idealtypisch geformter Vulkankegel erhob sich direkt aus dem Küstensaum und hatte die Straßenbauer veranlasst, den Abstand zum Meer zu vergrößern. Hier hielten wir an, um den erloschenen, von Erosionsrinnen gefurchten Vulkan zu besteigen. Vom Gipfel ging der Blick in einen fast kreisrunden Kratersee mit grünem Wasser; unmittelbar am Rand hatte sich ein schmaler Streifen aus Sträuchern angesiedelt. Von der Position am Kraterrand ermöglichte eine Delle im Kraterrand die Sicht auf das Meer und Vulkaninseln in geringer Entfernung. Landeinwärts war rotbrauner Sand, dunkle Lava und vor dem Horizont gab es die Kegel weiterer Vulkanberge. Der Polizist aus Al Mukallah hatte uns zum Kraterrand begleitet, er erwies sich als schlecht zu Fuß und stürzte auf dem Weg nach unten hin. Im Hafen von Bir Ali lagen Dutzende kleiner Fischerboote aus Holz mit Außenbordmotoren im türkisfarbenen Meer verankert. Am Strand waren Blechkarren für den Transport der Fänge zu einer offenen Halle abgestellt, dem Fischmarkt; dort hatten sich einige Kaufinteressenten zusammengefunden, um die Fänge zu begutachten. Im Jemen ist es nicht unüblich, z.B. Fisch im Restaurant für die Zubereitung abzugeben; Fauzy prüfte vor dem Kauf unseres Mittagessens lange und gründlich, was mir die Gelegenheit gab, Fischer, Käufer und Fang zu fotografieren. In der Halle hatten sich ausnaheliegendem Interesse auch einige hochbeinige, schlanke, kurzhaarige, grau getigerte Katzen eingefunden. Das nahegelegene Fischrestaurant war äußerst einfach: ein Eisengestell, ein gewölbtes Wellblechdach, eine vorgestellte, niedrige Mauer aus Betonsteinen, innen einfache Holztische und Holzbänke. Den Tischnachbar konnte man sich nicht aussuchen. Wir bekamen Bestecke, üblicherweise wurde mit den Händen gegessen. Ziege und Schafe bevölkerten die nähere Umgebung, und sehr elegante Katzen mit gelbbraunen, besonders kurzhaarigem Fell und großen Ohren stöberten im Müll. Wir mussten etwas warten, bis unsere Fische auf dem Grill zubereitet waren. Fauzy wollte noch etwas besorgen und vertrieben uns die Wartezeit in einer einfachen Teestube; als sich Fauzy zu uns setzte, drohte er am unterdrücktem Lachen fast zu ersticken. Man hatte ihn, den Polizisten in Zivil, angesprochen, ob er nicht Interesse hätte, an der Kaperung eines Frachtschiffs im Golf von Aden teilzunehmen, das war gerade groß in Mode; er hatte abgelehnt. Trotz der etwas suboptimalen Umstände hatten wir ein sehr schmackhaftes, darüber hinaus unvergessliches Fischessen. Wir fuhren dann weitere 15 Kilometer auf der Küstenstraße nach Westen bis zum Ort Balkal auf einer Halbinsel mit einem steilen Vulkankegel mit eingesandetem Fuß. Ein halsbrecherischer, steiniger Pfad führte zum Gipfel; nach einiger Kletterei beschlossen wir, den Aufstieg sein zu lassen und uns unten umzusehen. Eine Reifenpanne verzögerte die Rückfahrt; während die Reparatur organisiert wurde, schaute ich Ziegen zu, die versuchten in einen maroden Linienbus einzusteigen. Wir hatten den Auftrag, einen jemenitischen Schulatlas mit nach Hause zu bringen; Fauzy und Michael Hestermann gingen in Al Mukallah auf die Suche und waren erfolgreich. Nach einem gemeinsamen Abendessen verabschiedeten wir uns von den Reisebegleitern. Am nächsten Vormittag wollten wir nach Hadibou auf der politisch zum Jemen gehörenden, einzigartigen Insel Sokotra fliegen.

Aufnahmen vom 13. und 14. Dezember 2008

 

 

 

Al Qatn, Hawrah, Al Mashad, Al Hajarayn, Kailat-Bugshan im Wadi Dawan, Ras Huweira, Al Mukalla/Hadramaut

Fahrt von Sayun durch das Wadi Duan (Dawan) über Al Qatn, Hawrah, Al Mashad, Al Hajarayn, Budah, Kailat-Bugshan, Ras Huweira nach Al Mukalla

Wir haten den Wecker auf 06:30 gestellt; nach einem Frühstück gemeinsam mit unserem Reisebegleiter Michael Hestermann und dem Fahrer Abdullah fuhren wir um 07:30 Uhr bei dem Haus von Fauzy, dem nicht uniformierten Polizisten, der für unsere Sicherheit auf der Fahrt nach Al Mukallah sorgen sollte und der darüber hinaus ein sehr interessanter Gesprächspartner war; verständigen mussten wir uns auf Englisch. Fauzy wollte die Fahrt nutzen, um einen Kollegen in Al Mukallah zu besuchen. Unseren ersten, kurzen Aufenthalt hatten wir in Al Qatn, einer kleinen Ortschaft in der einige beschädigte Lehmziegelwohnbauten auffielen. Kurze Zeit danach erreichten wir Hawrah: Auch hier gab es einige verfallende Lehmbauten und eine große, leere Zisterne mit telweise eingefallener Ummauerung. Einen neuen, leuchtend weißen Anstrich musste die Moschee kürzlich erhalten haben, die Kuppel des Minaretts und ein paar Absätze an den Gebäuden waren türkisfarben. Zwischen der Durchgangsstraße und dem steilen Felshang des Wadis Duan (oder Dawan), das sich weiter nördlich mit dem Wadi Hadramaut vereinigt, fielen zwei große einstöckige Gebäude auf, in einem Vorbau war ein Laden für alles mögliche untergebracht; wenig weiter fiel der Blick auf drei Grabmale mit hohen, spitz zulaufenden Kuppeln hinter einem Zaun, neben einem einstöckigen Bau in den Farben der Moschee. In dem Laden kauften wir ein kleines Gefäß aus opaken, orangefarbenen Bernstein; ob es sich tatsächlich um Bernstein handelt, haben wir nie geklärt. Fauzy hatte unter seinem Sitz neben dem Fahrer einen Gegenstand in einer Plastiktüte verstaut. Er erwies sich als israelisches Model einer Maschinenpistole – für alle Fälle. Es folgte dann eine längere Fahrt bis Al Mashad, einem Ort am Ostabhang des Wadi Dawan. Dort hatten wir Gelegenheit das alte Ortszentrum zu erkunden. Die Frauen, die man entfernt im Tal auf den bewässerten, sich leuchtend grün vom Gelb- und Rotbraun der Umgebung abhebenden Feldern arbeiteten, trugen zu ihrer schwarzen Verhüllung die hohen, spitzen Flechthüte, die wir in Läden schon öfter bemerkt hatten; diese Hüte erschienen uns, wie die rechstliche Ausstattung, als nicht sehr praktisch bei der Feldarbeit. Von der Zufahrtsstraße nach Al Mashad bekamen wir auf dem Rückweg freien Blick auf den Ort und die steilen Erosionshänge des Wadis. Am Rand des Flussbetts, das nur selten und nur für kurze Zeit durchstömt wird, wurden Lehmziegel gefertigt und zum Trocknen gestapelt. Ein von einem Lehmwall umgebener Dattepalmengarten war oberhalb der Ziegelei im Wadi zu erkennen. Westlich des trockenen Flussbetts war am Fuß der das Wadi begrenzenden Tafelberge ein neuer Ort entstanden. Einen weiteren interessanten Ort, Al Hajarayn, verwegen in den Osthang des Wadi Duan gesetzt, sahen wir nur von der durch das Wadi führenden Straße aus. Zum Mittagessen hielten wir in Budah ohne den hochwassergeschädigten Ort näher  zu erkunden. Ein weiterer Höhepunkt dieser insgesamt spektakulären Fahrt, wenig südlch von Budah, war Khailat oder Bugshan im oberen Wadi Dawan; dort hatten wir Gelegenheit ein großes, von Gästen jetzt unbewohntes, bunt bemaltes Hotel im traditionellen Architekturstil von Duan, errichtet um einen Innenhof, zu besichtigen. Von Khailat-Bugshan führte eine neue, in den Karten nicht verzeichnete Straße auf die Hochebene und u.a. zu einem neuen Hotel. Von den Kehren dieser Straße hatten wir einen überwältigenden Ausblick auf den Ort, der gerade hinter uns lag, auf eine Art langgestreckter Flussoase mit Dattelpalmen beiderseits des trockenen Flussbetts im Wadi Dawan, auf Haid Al-Jazil, eine auf einem kleinen Felsplateau über dem Wadi gewagt nistende Ortschaft, auf das sich in der Ferne verzweigende Wadi und auf die brettflache Hochebene, in die sich die Wadis durch rückschreitende Erosion eingefressen hatten. Vor der ebenfalls abgesehen von Personal verlassen wirkenden Hotelanlage waren drei gesattelte Dromedare mit vielen unversorgten Wunden angebunden. Ich nutzte die Gelegenheit, mich von unserer Reisegruppe zu entfernen und die triste, trockene, steinige, fast vegetationslose Landschaft zu erkunden, was etwas Aufregung verursachte, als man mich zu vermissen begann. Ich kam bis zu einer Stelle, wo die Erosion, ausgelöst durch die großen Temperatutunterschiede zwischen Tag und Nacht und seltene Regenfälle begonnen hatte, ein Seitental zum Wadi Dawan anzulegen; dort gab es auch ein paar Sträucher und Aloe-Pflanzen. Unsere Route führte jetzt in südöstlcher Richtung, leicht ansteigend, über die karge Hochebene. Bei der Einmündung der Straße in die alte Straße nach Al Mukallah, dem höchsten Punkt der Straßenverbindung zwischen Sayun und Al Mukallah, trafen wir auf das Nest Ras Huweira, an der Straße eine Art Handelsposten aus wenigen ebenerdigen, nachlässig gemauerten Gebäuden und einer Reihe provisorischer Holzverschläge, umgeben von Plastikmüll. Ein Polizeiauto mit Besatzung war hier geparkt. Vor allem unserem Fahrer Abdullah war der Halt hier ein Anliegen, denn hier gab es die Möglichkeit frisches Qat für den Abend zu kaufen. Von diesem Ort ging der Blick über die zerklüftete, im Licht des späten Nachmittags düster dunkelbraun erscheinende Hochebene, durch die sich ein gewundenes Wadi schlängelte; am Talboden und stellenweise an Abhängen war etwas Grün von Bäumen und Sträuchern zu erkennen. Einen letzten Stop machten vor unserem Ziel machten wir am Südrand der Hochebene. Der Fahrer blieb im Wagen, wir anderen gingen ein Stück in die Landschaft; hier fand ich Vertreter verschiedener sukkulenter Species (Aloe vera, eine Caralluma-Art, eine Vertreterin der Aizoacee, eine Sarcostemma-Art, auch sukkulente Zwergbäume aus dem Commiphora-Spektrum und üppige Flechten), in die Felsen eingelagert sah man fossile, rote Korallen. Ein augenscheinlich ausgetrockneter, ausgedehnter Salzsee und die Ausläufer der Hochebene waren von Dunst verschleiert. Bei Sonnenuntergang erreichten wir die Küstenstraße östlich von Al Mukallah; im Hafen der Stadt lagen viele kleine Fischerboote in einigem Abstand vom Ufer vertäut. Vom Fenster unseres Hotelzimmers konnten wir große Teile von Al Mukallah überblicken.

Aufnahmen vom 13. Dezember 2008

Shibam, Sayun/Hadramaut

Zentrum von Sayun am Morgen und Mittag und Shibam am Vormittag, Nachmittag und Abend

Nach dem Hotelfrühstück zusammen mit unserem Reisebegleiter Michael Hestermann begaben wir uns um 09 Uhr zu einem Rundgang in das Zentrum von Sayun. Wie Tarim ist Sayun eine Stadt am Grund des in eine Hochebene eingeschnittenen Wadis Hadramaut (auch Wadi Hadramawt), umgeben von steilen Felswänden; die Bebauung reicht bis die Felswände. Das auffälligste Gebäude im Stadtzentrum war für uns der Palast des ehemaligen Sultans; die Tore waren verschlossen, eine Besichtigung an diesem Tag nicht möglich, nur der Hof mit Geschäften war zugänglich. Wir streiften durch den Suq mit Marktständen und unter freiem Himmel und in einer Halle. Wir fuhren dann für einen ersten Eindruck nach Shibam, die für ihre Lehmhochbauten berühmte Stadt, die nur noch teilweise bewohnt war und daher vom Verfall bedroht. Bemerkenswert waren die verschiedenen Typen von Holztüren, oft mit aufwändigen, filigranen Schnitzereien verziert. Ein Laden bot eine große Auswahl von Holzarbeiten an, darunter auch nur aus Holz gefertigte Schlösser, die sehr wahrscheinlich von aufgegebenen Wohnbauten stammten. Auf dem Rückweg hatten wir eine Unterbrechung  für den Besuch eines historischen Hotelgebäudes. Das Mittagessen war in Sayun vereinbart, in einem schlichten Restaurant, das von außen eher an Art Autoreparaturwerkstatt erinnerte; mit dem Essen waren wir zufrieden. Nach einer Mittagspause im Hotel mit jemenitischen Kaffee am Pool fuhren wir um 15 Uhr ein weiteres Mal nach Shibam. Für diesen zweiten, sehr viel intensiveren Rundgang ließen wir unseren Reisebegleiter auf den Treppen zum Stadttor zurück und machten uns allein auf den Weg, Michael Hestermann hielt das für ausreichend sicher und wir ebenso; darüber waren wir ganz froh. Wir begannen unsere Erkundigung im Wadi Hadramaut am Ortseingang zwischen der alten Stadt und einem augenscheinlich neueren Ortsteil am gegenüberliegenden Rand des Trockentals. Auch waren Spuren der katastrophalen Überflutung von Ende Oktober zu sehen; Familien, die durch das Hochwasser obdachlos geworden waren, hatte man in hier in Zelten untergebracht. Wir betraten das alte Shibam, das hochwassersicher über der Sohle des Wadis angelegt ist, über eine Treppe und das Haupttor. Wir bewegten uns dann innerhalb der Mauern und umrundeten schließlich die Stadt außerhalb der Ummauerung. Zusammen mit unserem Guide stiegen wir am späten Nachmittag durch den neuen Ortsteil hoch zum Wasserbehälter und einem historischen Wehrturm am Rand des Wadis. Von dort beobachteten wir bis zur Rückfahrt zum Hotel einen prächtigen Sonnenuntergang und den Aufgang des Vollmondes.

Aufnahmen vom 12. Dezember 2008

Tarim, Aynat/Hadramaut

Tarim am Vormittag und Mittag, Aynat am Nachmittag

Um 04:30 Uhr war für uns die Nacht zu Ende. Nach einem kurzen, improvisierten Frühstück mit unserem Guide Micheal Hestermann und seinem Freund Mohamed al-Thor fuhr uns Mohamed zum Flughafen. Unser Jemenia-Flug ging um 08 Uhr ab und landete bereits um 09 Uhr in Sayun/Hadramaut. Die ursprünglich vorgesehene Autofahrt hatten die Behörden aus Sicherheitsgründen gecancelt. In Sayun wurden wir von Abdullah mit einem großen 4Wheeldrive SUV abgeholt und zum Hotel Al-ahqaf Tourist Hotel in der Nähe des Airports gebracht. Nach einer kurzen Pause ging es weiter nach Tarim. Tarim ist ein Ort mit spektakulären Bauten im Zentrum, am Grund eines weiten, in eine Hochebene eingefressenen Wadis, das unterhalb der Stadt in das Wadi Hadramaut einmündet. Tarim ist fast völlig eingeschlossen von nackten, gelben und rotbraunen Felswänden. Mehr am Rand des Zentrums gab es auch verfallende Gebäude. Wir ließen das Zentrum auf uns wirken, warfen hier und da einen Blick auf die Markstände, u.a. mit traditionellen, spitzen Strohhüten, verschiedenen Sorten von Weihrauchharz, etwas zweifelhaften Frischfisch, Trockenfisch, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst. Nach einigem herumgekurve auf Wunsch von Michael, der die Post finden wollte, die dann aber wegen des Eid-Festes geschlossen war, brachte uns Abdullah zum sehr interessanten Museum, das sich leider in einem ziemlich schlechten Erhaltungszustand befand. In dem Gebäude, in dem noch die Symbole des untergegangenen Südjemen zu finden waren, gab es außer uns keine Besucher. Danach stellte sich wieder einmal die Frage des Mittagsessens. Wie sich herausstellte, waren wegen des Festtages alle Restaurants geschlossen. Wir trafen dann mit Fausy zusammen, der uns in Tarim, Sayun und Shibam begleiten sollte sowie auf der Fahrt nach Al Mukallah. Fausy war mit Michael befreundet und sollte als Polizist in Zivil unsere Sicherheit gewährleisten. Es gab schließlich ein einfaches, improvisiertes Mittagessen auf einer Plastikplane in einer Art Garage mit Reis, Hühnchen und Thunfisch, ungewöhnlich, und unvergesslich. Im Anbau der Halle trafen sich die Kat-Konsumenten der Umgebung, um zu kaufen, zu kauen und abzuhängen, eine bunte, desolate, ebenfalls unvergessliche Gesellschaft. Jetzt zufünft fuhren wir im Wadi Hadramaut Richtung  Aynat. Wir kamen vorbei an zerstörten Straßen, modernen Brücken und Gebäuden. Die Ursache der Zerstörung lag nur wenige Wochen zurück: Ein überdurchschnittliches Hochwasser war nach Regenfällen durch das Wadi abgegangen. Das Wadi führt jedes Jahr nur kurze Zeit Wasser, aber alle paar Jahrzehnte kommt es zu einem katastophalen Hochwasser. Die Straßen- und Brückenbauer der ausländischen Helfer hatten das offentsichtlich nicht einkalkuliert und auch manche Einheimische hatten in den trockenen Jahren dort gebaut, wo man es tunlichst nicht tun sollte. In dem kleinen Ort Ainat gibt es eine große Friedhofsanlage mit aufwendig gestalteten Kuppelgräbern; in das umzäunte Gelände durften wir nicht hinein. Wegen des Eid-Festes fanden sich Einwohner aus der Umgebung ein, insbesondere die Kinder waren festlich gekleidet. Merkwürdig unbewegliche Musiker spielten am Rand eines großen Platzes mit einem überdachten Ziehbrunnen eine seltsame, monotone Musik. Ich durfte die Musiker fotografieren, ganz wohl es dabei vermutlich nicht allen. Fauzy, der uns sagte, was geht und was nicht, saß lässig am Rand eines Podestes, mit Wickelrock, einem blaukarierten Hemd und einem um den Kopf gebundenen Tuch; was man nicht sah: Im Bund seines Rocks steckte seine Dienstwaffe. Im roten Licht des späten Nachmittags traten wir die Rückfahrt nach Sayun an. Außerhalb von Ainat lag das Bett des Wadis besonders tief und dieser Abschnitt war noch mit einem Rest des Hochwassers von Ende Oktober gefüllt, ein Fluss in der Wüste, ein seltener Anblick, den ich fotografisch unbedingt festhalten wollte. Eine Ziegenherde wurde von einem Mann und einer Frau zum Trinken geführt und dann wieder zurück in die roten und gelben Abhänge unterhalb der Hochebene. Fauzy hatte uns für einen kurzen Besuch in sein Haus eingeladen. Bei aller Modernität konnten wir nicht mit seiner Familie zusammenkommen. Wir drei Männer unterhielten uns in einer Art großen Wohnzimmers, bedient von einer noch unverschleierten vielleicht 12-jährigen Tochter während meine Frau den Frauen des Hauses ohne gemeinsame Sprache Gesellschaft leisten sollte.

Aufnahmen vom 11. Dezember 2008

Jebel Haraz, Manahka, Harazberge

Exkursion von Sanaa über Matnah, Súq Bawaan, Mafhaq nach Manákha bis Hutayb und Káhil im Harazgebirge

Trotz der kalten Nacht im heizungslosen Raum, des Straßenlärms und des elektrisch enorm verstärkten Gebetsruf von der Moschee gegenüber fanden wir gutem Schlaf. Um 06:30 standen wir auf und waren eine Stunde später beim Frühstück auf der Terrasse. Um 08 Uhr wurden wir abgeholt: Unser Guide Michael Hestermann befand sich an diesem Tag in Begleitung seines Freundes Sheikh abdillah Mohamed Al-Thor, der in blütenweißer tradtioneller Kleidung inklusive verziertem Gürtel mit Dolchscheide und Dolch erschienen war. Für den Ausflug dieses Tages hatte Mohamed sein großes, komfortables Auto zur Verfügung gestellt. Als Erstes war nach kurzer Fahrt ein traditionelles jemenitisches Frühstück mit Fladenbrot, Petersiliensalat, Fleischbällchen, Chillies und Tee vorgesehen, denn unsere beiden Begleiter waren noch nüchtern. Um 09 Uhr brachen wir dann endgültig auf, passierten einen Kontrollpunkt am Stadtrand und fuhren weiter in westlicher Richtung auf der Straße nach Hudaydah. Unser Ziel: die Harazberge. Die Fahrt führte über Súq Bawak, Mafhag, Manákha durch eine spektakuläre, wilde  Gebirgslandschaft.  Bis zur Erreichung der Endstation Hutayb, einem Bergnest mit einer ismailitischen Moschee (schiitische Glaubensrichtung mit Zentrum in Pakistan), hatten wir mehrmals angehalten, um mir das Fotografieren zu ermöglichen. Die Häuser von Hutayb sitzen um einen steilen Hügel, aus dem ein fast senkrechter, hoher Felsen ragt. Eine steile Treppe führte zur Spitze und etwas unterhalb zu eine kleinen, schmucklosen, weißgekalkten Moschee. Wir machten den Aufstieg, vorbei an orange blühenden, in senkrechte Felsen gekrallte Aloe-Pflanzen und wuchernden Opuntien. Von der Aussichtsplattform hatten wir eine atemberaubende Sicht auf Orte mit den traditionellen Wohnhochhäusern, manche an Felsen geklebt, auf eine Vielzahl genutzter und ungenutzter landwirtschaftlicher Terrassen, auf schütter bewachsene, trockene Hänge und die schroffen Grate, der sich im Nebel verlierenden Harazberge. Ein Junge aus dem Ort hatte sich neugierig uns angeschlossen. Nach dem Abstieg fuhren wir zurück nach Manákha zum üppigen, aus zahlreichen Gerichten bestehendes Mittagessen um 14 Uhr in einem traditonellen Gasthof mit Räumen für Essen und Schlaf. Danach folgte ein Abstecher zum Ort Káhil, umgeben von Kat-Plantagen. Auf der Rückfahrt bat ich um einen Stop, nachdem mir am Straßenrand eine rotviolett blühende Pflanze aufgefallen war, die mir bekannt vorkam. Und tatsächlich: Im Hang über der Straße saß der verzweigte Caudex der Art Adenium obesum, oben trotz seiner Giftigkeit abgefressen, mit nur wenigen Blättern und einigen Blüten. Unsere Route führte hier durch ein breites Wadi mit üppiger Vegetation, darunter verschiedene Sukkulenten, Grund wieder anzuhalten und zu schauen. Ein letztes Mal hielten wir am Pass nördlich von Súq Bawan und ließen den Sonnenuntergang auf uns wirken. Zurück im Hotel wartete das Buffet auf uns.

Aufnahmen vom 10. Dezember 2008

Sanaa

Ausblicke von der Terrasse des Hotels Burj al Salam und ein großer Rundgang durch die Altstadt

Wir hatten einen Nachtflug mit der Jemenia von Cairo nach Sanaa gebucht. Nach einem Routineflug über Gebiete mit wenig Nachtbeleuchtung landeten wir verfrüht um 03:30 in Sanaa. Die Wechselstube war geöffnet und nach dem Umtausch von 500 € besaßen wir ein dickes Bündel neuer Geldscheine, 2 € wurden gegen 2000 YR getauscht. Die mit uns angekommenen Passagiere verschwanden nach und nach und wir blieben allein zurück mit einem Sicherheitsbeamten. Wer nicht kam, war unser Guide. Der nervöse und ziemlich unverschämte Mensch vom Flughafen verlangte nach unserer Hotelanschrift und der Telefonnummer unserer Reiseagentur, er wollte, dass wir schnellstens die Ankunftshalle verlassen. Da der Kontakt zur Agentur kam nicht zustande kam, wurde uns ein Taxi zum Hotel nahegelegt; auf der Fahrt begleitete uns ein Polizist in Zivil. Im Hotel Bury al Salam in der Al-Alam i-Straße herrschte erst einmal Verwirrung, da keine Reservierung auf unsere Namen gefunden wurde. Schließlich erhielten wir ein Zimmer im 4. Stock des Gebäudes im traditionellen jemenitischen Stil mit Aussicht auf Teile der Altstadt von Sanaa. Kalt war es im Raum (die Stadt liegt 2200 Meter über dem Meeresspiegel, im Freien betrug die Nachttemperatur um die 0°C) und unsere Aufregung ließ nur langsam nach. Ein seltsames Geräusch, wie die Rückkopplung eines Lautsprechers, irritierte uns. Das sollte sich bald aufklären, als zum Morgengebet gerufen wurde. Der Gebetsruf ertönte vielfach leicht zeitversetzt aus der Ferne. Und von ganz nah: Das nächstgelegene Minarett mit 4 Lautsprechern und die dazugehörige Moschee, die Al Alami-Moschee, befand sich nur wenige Meter entfernt auf der gegenüberliegenden Seite der Gasse. Noch nicht eingeschlafen klingelte das Telefon und ein Mann meldete sich im Kesselstädter dialektgefärbten deutsch: Michael Hestermann, als Kind mit den Eltern aus der Hanauer Gegend nach Australien ausgewandert und seit 4 Jahren in Sanaa lebend stellte sich als unser Guide für den Jemen vor, beauftragt vom Eigentümer Fuad des Reisbüros, der abwesend war. Michael Hestermann hatte uns zusammen mit seinem Freund Mohamed al-Thor vom Flughafen abholen wollen; durch die Verfrühung unseres Flugs und dem Kat-Rausch der Beiden war das gescheitert. Da wir versuchen wollten, noch etwas Schlaf zu bekommen, verabredeten wir uns erst für 12 Uhr am Mittag. Um 09 Uhr gaben wir den Versuch zu Schlafen auf und hatten ein gutes Frühstück auf der Hotelterrasse. Als Michael eintraf, hatten wir die fantastische Sicht vom Hotel bereits intensiv genossen; mit ihm spazierten wir durch die Gassen der Altstadt von Sanaa, Michael angetan mit jemenisierter Kleidung, aber ohne Dolch. Die meisten Geschäfte im Suq waren an diesem Tag geschlossen, eine geöffnete Garküche für einen Imbiss fand sich aber doch. Unseren Weg, vorbei an einer Vielzahl von Moscheen und traditionellen bürgerlichen Wohntürmen konnten wir später leider nur unvollständig nachvollziehen.Hier und da traf Michael Hestermann auf Bekannte und wechselte mit ihnen ein paar Worte. Kinder kamen zu uns, wurden auch von ihren verschleierten Müttern dazu ermuntert, und wollten sich fotografieren lassen. Highlights des Rundgangs waren eine große, traditionelle, nur teilweise genutzte  Gartenanlage und der Besuch einer Galerie, deren Besitzer ließen uns auf die Dachterrasse des Gebäudes mit fantastischer Rundsicht. Beim Einbruch der Dunkelheit kamen wir zurück ins Hotel; für das Abendessen bedienten wir uns an einem mittelmäßigen Bufet, zusammen mit einer japanischen Reisegruppe.

Aufnahmen vom 09. Dezember 2008

Ein weiterer großer Rundgang durch die Altstadt von Sanaa

Unser Rückflug von Hadibou auf der Insel Sokotra nach Aden (mit einer Zwischenlsndung in Al Mukallah) startete etwa um 13 Uhr. In Aden konnten wir eine frühere Maschine als geplant nach Sanaa nehmen, leider galt das nicht für unser Gepäck, das wir erst nach einer dreistündigen Wartezeit verspätet in Empfang nehmen konnten. Fuad al Kadas, Reiseunternehmer (Jemen Explorer) aus Sanaa, holte uns dieses Mal persönlich ab und brachte uns zum gleichen Hotel, das wir bereits am Beginn unserer Reise bewohnt hatten; unser Zimmer war dieses Mal im 5. Obergeschoß, wir verbrachten eine ziemlich kalte Winternacht in dem unbeheizten Raum. Mit dem fast zum Greifen nahen Minarett der benachbarten Al-Alami-Moschee und ihren akustischen Darbietungen waren wir bereits vertraut. Die Nacht war für uns um 07:30 Uhr zu Ende, immerhin gab es heißes Wasser.  Um 10 Uhr holte uns Fuad, ein freundlicher und kompetenter junger Mann, für eine Kombination aus Rundgang und Taxifahrt durch die Altstadt von Sanaa ab. Unser Weg führte vorbei an einer Moschee in einem häufiger anzutreffenden Baustil, was die Unterscheidung erschwert, vorbei an einem der kleineren Garten des alten Sanaa, zum Wadi As Sailah, einer außer in der Regenzeit, wenn das Wadi wieder zum Fluss mutiert, lebhaft befahrenen Straße und weiter zum Nationalmuseum Dar as-Saad. Im Anschluss an den Besuch des Museums lud uns Fuad in ein sehr gutes Restaurant zum Essen ein; Fuad hatte beschlossen, uns mehr als Gäste denn als Kunden zu betrachten. Das nächste Ziel war der Prunkbau der neuen, vorgeblich vom damaligen Präsidenten gestifteten, Al-Saleh-Moschee, für deren Besichtigung wir uns etwas Zeit ließen. Wir hatten unser Interesse an jemenitischen Parfüms geäußert, daher orderte Fuad ein Taxi zu einem Parfümgeschäft (Sawalif Perfumes) im Suq, mit dessen Eigentümer er bekannt war. Wir probierten dieses und jenes, wurden auch in die Verwendung von Sandelholz eingeführt und bestand dann darauf, die Rechnung zu übernehmen, was wir so nicht geplant hatten. Wir liefen dann zum Stadttor Bab al-Jemen; auch hier kannte Fuad den Besitzer einer Galerie eben dem Torbau, der uns den Zugang zur Stadtmauer ermöglichte. Von dem erhöhten Ort konnten wir gut das Gedränge der Passanten verfolgen und Fotos machen. Nach diesem Intermezzo nahmen wir den Rundgang durch den Suq wieder auf; ein Geschäft, das wir betraten, war Ali Ba Ba´s Jewallery von Mohammed H. Al-Saygal & Bros. Der sympathische Inhaber hatte, wie die meisten Jemeniten am Nachmittag, eine ordentliche Menge Kat zusammen mit Kalk in eine Backentasche eingelagert, was ihn aussehen ließ, als müsste er unter schweren Zahnschmerzen leiden, was nicht der Fall war. Freundlicherweise gestattete er ein paar Porträtaufnahmen. Da uns das Geschäft als vertrauenswürdig beschrieben worden war, kauften wir zwei schöne Silberketten mit jemenitischem Bernstein. Einer der letzten Eindrücke betraf eine Kajal-Mühle: Im offenstehenden Erdgeschoß eines Hauses sah man Dromedar mit Augenklappen, das in dem engen Raum beständig im Kreis um ein erhöht auf einem Podest stehendes Mahlgefäß laufen musste, um eine Art riesigen Pistill zum Zermahlen der Samen zu bewegen, um die swchwarze Farbe zu gewinnen. Unser Rückflug über Kairo nach Frankfurt sollte früh am Morgen starten. Wir überbrückten die Zeit bis zur Abholung durch Fuad al Kadas steif vor Kälte im Hotelbett; Fuad erschien schließlich für ein paar Fotos ausnahmsweise in traditioneller Kleidung, um uns abzuholen.

Aufnahmen vom 23. Dezember 2008

Nordküste, Wadi Ayhaft

Warum Sokotra?

Der Artikel „Der Echte Drachenbaum, Dracena cinnabari, von der Insel Sokotra von Friedrich Beyhl in „Der Palmengarten“ Nr. 59/2 (1995), Stadt Frankfurt a.M. und das Buch „Socotra, Sukkulentenparadies im Indischen Ozean“ von Franziska & Richard Wolf (2007) gaben die Anstöße, die Insel Sokotra zu besuchen.

Die Inselgruppe mit der Hauptinsel Sokotra liegt als Verlängerung des Horns von Afrika vor der Küste Somalias. Politisch gehören die Inseln zum Jemen. Sokotra hat eine Fläche von  zirka 3600 km². Die Insel besteht aus einem zentralen Granitgebirgsstock, der von Kalkplateaus umgeben ist. Die Flora von Sokotra mit dem hohen Anteil endemitischer Arten, darunter viele Sukkulenten, kann mit Fug und Recht als einzigartig bezeichnet werden. Der Schutz-Status (UNESCO-Biospähren-Reservat 2003, Weltnarturerbe 2008) ändert bedauerlicherweise nichts an der Gefährdung der Vegetation insbesondere durch die immense Zahl freilaufender Ziegen.

Unsere Reise

In den Monaten Oktober und November bringt der Nordost-Passat der Nordküste und besonders der Nordseite der Berge die Hauptniederschläge. Klimatisch bedingt gelten die Monate Dezember bis März, wenn der Nordost-Monsun bereits an Kraft verloren hat, als beste Reisezeit.

Nach einem Besuch von Sanáa und Orten in Hadramaut trafen wir (meine Frau und ich) am 15. Dezember 2008 von Al Mukallah kommend, mit einer Maschine der jemenitischen Fluggesellschaft in Hadibou (Hauptort der Insel) ein. Dort wurden wir von unserem pflanzenkundigen Guide Wagdi und dem Fahrer (und Koch) Mahad des Reiseveranstalters empfangen.

Exkursion zur Nordküste und in das Wadi Ayhaft (Aufnahmen vom 15. und 21. Dezember 2008)

Noch am Tag der Ankunft unternahmen wir mit unseren Begleitern die erste Exkursion. Sie führte am Nachmittag zur Nordküste westlich von Hadibou und in das Wadi Ayhaft. Ein zweites Mal besuchten wir das Wadi Ayhaft am 21. Dezember 2008.

Die Wälder am Nordhang und in den Schluchten der Haghir-Berge profitieren vom Nordost-Passat, der manchmal Regen und häufiger Nebel bringt. Sie sind daher dichter und üppiger als in anderen Bereichen der Insel. Unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehende Gestalten der Waldgesellschaft sind u.a. die Gurkenbäume (Kürbisgewächs Dendrosicyos socotrana), die Baum-Wolfsmilch (Euphorbia arbuscula), die Flaschenbäume (Adenium obesum ssp. socotranum), die Stinkbäume (Sterculia africana ssp. socotrana) und die Weihrauch- oder Frankincense-Bäume (Boswellia elongata). In Spalten fast senkrechten Felswände klammern sich die kugel- oder flaschenförmigen Caudices des Feigengewächses Dorstenia gigas. Diese Art überlebt nur an Orten, die für die allgegenwärtigen Ziegen unerreichbar sind. In einem Talkessel des Wadi Ayhaft beeindruckt ein Hain aus sehr alten Tamarinden-Bäumen (Tamarindus indica). Rundgeschliffenes Geröll aus Kalk- und Granitgestein füllt das Bett des nur nach Regenfällen wasserführenden Flusses. Bevor wir umkehren reisst die düstere Wolkendecke für einen Moment auf und gibt den Blick auf die höchsten Erhebungen der Haghir-Berge frei.

Momi-Plateau

Exkursion zum Momi-Plateau auf der Insel Sokotra (Aufnahmen vom 20. Dezember 2008)

Die Tagestour am 20. Dezember beginnt um 7.30 Uhr am Restaurant. Der Einkauf von Lebensmitteln (und von Sabah, das ist getrockneter Aloe-Saft, auf Wunsch eines Bekannten) am Markt und das Auftanken des Autos an der Tankstelle am östlichen Ortsausgang werden zuerst erledigt. Wir fahren wieder auf der Küstenstraße nach Osten, biegen in die Dirt-Road zu den Kalkplateaus ein, lassen den Weg zum Homhil-Plateau links liegen und nehmen stattdessen den Fahrweg zum höheren Momi-Plateau. Diese Tour kam auf  Vorschlag unseres Fahrers in das Programm, da wir von weiteren Nächten im Zelt ohne Luftmatrazen definitiv Abstand nehmen wollten.

Die Hochebene ist dem kalten Wind voll ausgesetzt. Wir sind daher über unsere wetterfesten Jacken recht froh. Unsere Begleiter improvisieren einen kurzen Besuch bei den Hirten (Beduns) , die ihr Vieh (Rinder, Zwergrinder, Esel, Ziegen) 4 Monate im Jahr auf dem Momi-Plateau weiden lassen und mit ihren Familien Wohnhöhlen am Rand des Plateaus bezogen haben. Viel Grün findet das Vieh nicht mehr, die Umgebung ist bereits kahl gefressen. Bald stehen wir am Nordrand des Plateaus mit Blick auf die Nordküste. Die Küstenebene liegt im Nebel, ab und an dringt die Sonne durch. Unter uns, am Fuß des Plateaus sind ein großes Dorf an einem trockenen Flussbett und Dattelpalmen-Haine auszumachen. Die Felsen und die Caudices der Flaschenbäume an der Abbruchkante sind mit Flechten bewachsen. Von den Croton-Bäumchen (Croton socotranus) haben die hungrigen Ziegen nur bizarre Gerippe übrig gelassen. In den Steilhängen über und unter unserem Aussichtspunkt wachsen Drachenbäume, vereinzelt sind junge Bäumchen zu erkennen. In überhängenden Felsen und Spalten sehen wir stattliche, bis medizinballgroße Caudices des Feigengewächses Dorstenia gigas.

Während wir die Umgebung erkunden, bereitet unser Fahrer und Koch im Schutz eines Felsens das Mittagessen zu. Unsere Hilfe bei dieser Tätigkeit ist nicht erwünscht, „different system“, wie Wagdi bei anderer Gelegenheit achselzuckend kommentierte. Ein paar ägyptische Geier haben sich in der Nähe des Picknick-Platzes niedergelassen und schreiten jetzt zu Fuß in enger werdenden Kreisen um die Töpfe. Zumindest die Knochen sind ihnen sicher.

Als wir abfahrbereit sind fragt Mahad, ob er den Weg zurückfahren soll, den wir gekommen sind, oder ob wir einen alternativen Weg bevorzugen. Arglos entscheiden wir uns für den zweiten Weg. Dieser erweist sich als sehr steil, ausgewaschen und nicht ganz ungefährlich. Als die schlimmste Strecke hinter uns liegt, sind wir über einen Halt ganz froh. Ganz in der Nähe trägt ein wilder Granatapfel-Baum Blüten und Früchte.

 

Homhil, Wadi Shifa

Exkursion zum Homhil-Plateau und in das Wadi Shifa auf der Insel Sokotra (Aufnahmen vom 16. Dezember 2008)

Der Wecker klingelt am 16. Dezember um 6 Uhr. Wagdi und Mahad begleiten uns vom Hotel zum Frühstück im nahegelegen Touristen-Restaurant mit frischgebackenem Fladenbrot, Honig und schwarzem Tee. Danach kurzer Aufenthalt am Markt. Unsere Begleiter kaufen Gemüse für Mittag- und Abendessen. Weiterfahrt zur Nursery am östlichen Ortsrand von Hadibou und Führung durch die Anlage zur Anzucht endemischen Sokotra-Pflanzen. Dann fahren wir auf der Küstenstraße nach Osten. An einer fjordartigen Flussmündung biegen wir auf einen unbefestigten Weg ein, der zu den östlichen Kalkplateaus führt. Bei einer Ansiedlung aus Kuben, die sich kaum von der Umgebung abheben, bleibt unser Fahrer mit dem Auto zurück und wir folgen mit Wagdi dem Weg in Richtung Dorf Homhil. Die Sonne brennt vom Himmel, es ist heiß, der Anstieg zu den Plateaus ist beschwerlich. Dass wir nur langsam voran kommen, ist jedoch vorallem der ungewöhnliche Landschaft mit einer Vielzahl einzigartiger, bizarrer Gewächse geschuldet. Es erfordert Zeit, diese Eindrücke aufzunehmen und außerdem zu fotografieren. Von Ziegen verbissene Sträucher erinnern uns, dass wir uns durch eine Kulturlandschaft bewegen. Auch besonders bizarre Flaschenbaum-Skulpturen am Wegrand sind keine Laune der Natur. Weihrauch-  (Boswellia elongata) und Myrrhe-Bäume (Commiphora socotrana, C. ornifolia) werden zur Harzgewinnung genutzt und stehen daher unter Schutz. Am Rand des Dorfes Homhil begegnen wir dem ersten Drachenbaum (Dracena cinnabari) und rasten ein paar Minuten in seinem Schatten. Sein Stamm (wie die Stämme aller anderen Drachenbäume) ist mit den Narben der „Drachenblut“-Gewinnung, des rot aushärtenden Harzes, übersät. Die Hänge über uns tragen einen lichten Wald aus Drachenbäumen ohne Unterwuchs. Zwischen den erwachsenen Bäumen befinden sich nur wenige halbwüchsige Exemplare. In Homhil treffen wir bei einem Glas Tee mit dem Dorfvorsteher und dem „local Guide“ zusammen, der uns auf dem weiteren Weg innerhalb der Gemarkungsgrenzen begleiten wird. Unterhalb der Bebauung kommen wir zu einem fast trockenen Bachbett. Orangefarbene und braune Süßwasserkrabben drängen sich in den wassergefüllten Pools. Unser Pfad führt in das Wadi Shifa, das ist die mächtige Kerbe im Plateau, die der Bach in Jahrtausenden geschaffen hat. Vom Rand des Kalkplateaus sind irgendwann hausgroße Brocken in die Tiefe gestürzt. Auf dem ebenen Dach eines dieser Felsen erkennen wir einen üppigen Sukkulenten-Garten. Unerreichbar für die Ziegen kann sich die Sukkulenten-Flora nur an solchen geschützten Orten ungestört reproduzieren. Im Tal erwartet uns Mahad bei einem Gehöft mit einem Imbiss.

Hadibou, Nursery

Hadibou, Hauptstadt der Insel Sokotra (Aufnahmen vom 16. bis 22. Dezember 2008)

Mit Ausnahme der zweiten Nacht auf Sokotra kamen wir abends zurück zum Hotel Summerland in Hadibou. Ein Flügel des Hotels war noch im Bau, während die fertigen Teile bereits Spuren des Verfalls zeigten. Die Inselhauptstadt wächst. Um einen Kern von Bauten in traditioneller Bauweise und entlang der Hauptstraße sind ziemlich häßliche „moderne“ Gebäude entstanden. Der vermüllte Strand wurde von Ziegen und Ägytischen Geiern nach verwertbaren Resten durchsucht. Südlich von Hadibou erhebt sich das Granitmassiv der Haghir-Berge auf über 1500 Meter, die Gipfel fast immer von Wolken verhüllt. Im Nordosten des Ortes befindet sich ein Garten zur Nachzucht von endemischen Pflanzen des Sokotra-Archipels. Dort hatten wir auch Gelegenheit das hochsukkulente Wolfsmilchgewächs Euphorbia abdelkuri zu sehen und zu fotografieren, das nur auf der Insel Abd-al-Kuri, der zweitgrößten Insel des Archipels, vorkommt.