Naurod

Aubach

von den Quellbereichen zwischen dem Hellenberg und dem Distrikt Hongwer („Flutgraben“) und in der Linsenwiese oberhalb des Steubenhofes (Aubach). Die Aufnahmen entstanden zum größten Teil am 29. September 2015. Ergänzende Bilder sind vom 7. November 2001 und 17. Oktober 2002.

Der Aubach („Flutgraben“) ist der längste und am tiefsten eingeschnittene Quellbach des Wickerbachsystems. Die ausgeprägte Quellsenke mit den maroden oberirdischen Resten einer nicht mehr genutzten (aber nicht zurückgebauten)  Trinkwassergewinnungsanlage zur Versorgung der ehemaligen Lungenheilanstalt (heute Wilhelm-Kempf-Haus) ist völlig trocken. Unterhalb bildet sich entlang eines Waldwegs ein kümmerliches Fließgewässer aus. Nach dem Steubenhofes kommt aus nordwestlicher Richtung der kürzere, ebenfalls abflussarme „offizielle“ Aubach hinzu. Seine „Quelle“ ist die Drainage der Altablagerung in der Linsenwiese, die das natürliche Quellgebiet überdeckt. Der vereinigte Aubach unterquert an der Grenze zum Main-Taus-Kreis die Bundesstraße 455 und fließt in der Stockwiese am Rand des bewaldeten Haag nach Südosten in Richtung der Gemarkung Auringen. In der Dörrwiese mündet von Osten ein kleiner Bach aus dem Distrikt Kilsloch ein.

Etliche Quellbäche in Wiesbaden werden als „Flutgraben“ bezeichnet, sie erhielten keinen „offiziellen“ Namen. Eher kein Hinweis auf starkes öffentliches Interesse.

In den Jahren 2000 und 2001 wurden vom städtischen Umweltamt an den Aubächen verschiedene Rohrdurchlässe ersatzlos entfernt oder durch eine Furt ersetzt. Eine Projekttafel weist heute noch darauf hin. Der Eigner des Steubenhofs hat die ausgehandelten Renaturierungsmaßnahmen durch „private Initiative“ teilweise wieder rückgängig gemacht.

Der Läusbach nach Vereinigung der beiden Quellbäche

bis zur Verrohrung unterhalb der Brücke der Bundesstraße 455 am Rand der Bebauung von Naurod (Aufnahmen vom 15. August 2017).

Die 1926 begonnene Trinkwasserversorgung der ehemals selbständigen Gemeinde Naurod aus Gewinnungsanlagen der näheren Umgebung wurde im Herbst 1974 endgültig eingestellt. Die Stilllegung des „Wasserwerks“ Naurod wird mit 1967 angegeben. Der Heimatverein Naurod hat das Gebäude renoviert und pflegt es. Weniger bekannt ist, dass die historischen Trinkwassergewinnungsanlagen an den Quellarmen des Läusbachs weiter funktionieren. Die Quellschüttung beider Läusbacharme kommt überwiegend aus Rohren mit Froschklappen (Schwingklappen) von den Gewinnungsanlagen, dagegen sind die im Gelände gut erkennbaren Quellsenken trocken gelegt. Der Rückbau der historischen Anlagen nach dem Nutzungsende und die Wiederherstellung der natürlichen Quellen wurde wohl sowohl von der Gemeinde Naurod bzw. der Stadt Wiesbaden als auch von den zuständigen Behörden „vergessen“. Die Grundstücke mit den historischen Gewinungsanlagen befinden sich nach Auskunft der städtischen Liegenschaftsverwaltung im Bestand der Forstverwaltung im Grünflächenamt.

Der westliche Quellarm des Läusbachs

bis zum Zusammenfluss mit dem östlichen Quellarm im Distrikt Läusbach. Spaziergänger interessierten sich für die Recherchen im Gelände (Aufnahmen vom 15. August 2017).

Der östliche Quellarm des Läusbachs vom Kussweg bis zum Zusammenfluss mit dem westlichen Quellarm im Distrikt Läusbach (Aufnahmen vom 15. August 2017).

Die blauen Tafeln am Waldrand markieren Entleerungsleitungen von Trinkwassergewinnungsanlagen. Eine zählt zum Bestand von Hessenwasser (Entleerung für die Transportleitung vom Pumpwerk Naurod zm Trinkwasserbehälter Kellerskopf, z.B. bei Rohrbruch). Der zweite Auslass ist wahrscheinlich die Entleerungs-Leitung des Trinkwasserbehälters Naurod des Wasserbeschaffungsverbands Niedernhausen-Naurod.

 

Wilhelm-Kempf-Haus

(Tagungsstätte der Katholischen Kirche an der Landesstraße 3027 im Wald nördlich von Naurod) und von Wassergewinnungs- und -versorgungsanlagen in seiner Nähe (Aufnahmen vom 15. August 2017).

Für das Sanatorium des Nassauischen Heilstättenvereins für Lungenkranke e.V. (heute Wilhelm-Kempf-Haus) wurde 1955 am Bechtewaldweg ein Rohrbrunnen zur Eigennutzung angelegt und das Wasserrecht für die Förderung von 50 m³/Tag am 29. Januar 1960 für 20 Jahre erteilt. Es ist nicht geklärt, ob die Anlage noch genutzt wird.

Weitere Trinkwassergewinnungsanlagen zur Versorgung der Gemeinde Naurod (damals Main-Taunus-Kreis) und der Lungenheilanstalt wurden seit ca. 1925 am Köpfchen, oberhalb und in der Dörrwiese, an den beiden Quellarmen des Läusbachs und an der Quelle des Aubach-Flutgrabens angelegt und bis ca. 1965 genutzt. Keine dieser Anlagen wurde nach Umstellung der Trinkwasserversorgung auf Wasser aus Tiefbrunnen in der Gemarkung Niedernhausen (Wasserbeschaffungsverband Niedernhausen-Naurod) zurückgebaut.

Das Wilhelm-Kempf-Haus bekundet auf seiner Website Interesse für den Umweltschutz. Daraus ergab sich das Motiv, der Verwaltung des Hauses einige Rechercheergebnisse über die historische Wassergewinnung für die Lungenheilanstalt und die Gemeinde Naurod zu übermitteln, verbunden mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit des bisher versäumten Rückbaus der alten Anlagen. Auf die Mitteilung gab es keinerlei Reaktion.

Läusbach

von den Quellen im Distrikt Läusbach bis zur Mündung in den Wickerbach oberhalb des Nauroder Festplatzes. Die Fotos entstanden am 3. September 2009, 26. Juni 2013, 5. November 2014 und am 29. September und 13. Oktober 2015.

Die beiden Quellarme des Läusbachs treten aus Abschlagsrohren mit Froschklappen historischer, nicht mehr genutzter Trinkwassergewinnungsanlagen am Kußweg und unterhalb davon aus. Beide Rinnsale sind bereits oberhalb des Zusammenflusses in der Nähe des historischen Wasserwerks Naurod aus dem Jahr 1926 mit Nassauer Gestück ausgebaut. Von hier fließt das dürftige Gewässer westlich des Läusbachwegs mit starkem Gefälle in Richtung Fondetter Straße. Nach Unterquerung der Brücke der Bundesstraße 455, am Rand des Gelände eines Lebensmittelmarktes ist der Läusbach verrohrt. Der Bachkanal verläuft in der Fondetter Straße und Schillerstraße. Ab Schiller-/Bremthaler Straße kommt das Gewässer wieder ans Licht und fließt zwischen Gärten bis es nach der Rilkestraße auf den Sportplatz von Naurod trifft. Ein Geschiebesammler markiert den Eingang zur Verrohrung unter dem Sportplatz. Nach Unterquerung des Sportplatzgeländes verläuft das geschundene Bächlein überwiegend oberirdisch im gestückten Bett bis zur Querung der Auringer Straße und danach bis zur massiv befestigten Mündung oberhalb des Festplatzes in den Wickerbach.

 

Alsbach

von der Quelle unterhalb der Siedlung Erbsenacker im Ortsbezirk Naurod von Wiesbaden bis zur Mündung in den Wickerbach an der Auringer Mühle in der Gemarkung Auringen. Die Aufnahmen entstanden am 11. August 2015. Ergänzende Fotos von Renaturierungsprojekten sind aus den Jahren 2001 bis 2007.

Der Alsbach tritt diffus in einem Buchenmischwald aus, es gibt keine abgrenzbare Quelle. Er ist auf seiner gesamten Länge abflussarm. Das Alsbachtal wird unterhalb des Jagdhauses durch Nutzung und Pflegemaßnahmen als Wiesental erhalten. Der bescheidene Gewässerlauf wurde an den Böschungsrand verlegt und überwiegend mit Nassauer Gestück ausgebaut und fixiert.  Das städtische Umweltamt ließ das Nassauer Gestück bei einer Renaturierungsmaßnahme im Jahr 2001 (im Rahmen der „Bauphase 1 Wickerbachsystem“) stellenweise aufbrechen und die Steine im verbreiterten Gewässerbett verteilen. Bei den Baumaßnahmen wurde ein kleines Steinkrebsvorkommen entdeckt. Entlang des Wirtschaftsweges sind zahlreiche Jägeransitze unteschiedlichster Bauweisen aufgereiht.

Im unteren Alsbachtal weist ein Projektschild auf einen Kastendurchlasses hin, der hier an Stelle einer Rohrleitung greringen Querschnitts eingebaut wurde und die Durchgängigkeit des Gewässers gewährleisten sollte. Damit wurde der Forderung von Landwirten nachgekommen, die auf einer Überfahrmöglichkeit bestanden. Die Überfahrt wird nicht genutzt, die nicht billige Maßnahme ging ins Leere. Unterhalb des Kastendurchlasses wird der Alsbach in eine private Teichanlage eingeleitet. Der Eigentümer der Teiche hat zusätzlich zu den Teichen auch die Gewässerparzelle der Stadt eingezäunt.

Nach Unterquerung der Kreisstraße mündet der Alsbach an der Auringer Mühle in den Wickerbach.

 

Wickerbach-Quellen am Köpfchen und oberhalb der Dörrwiese (Aufnahmen vom 17. Mai 2017)

Am 17. Mai fanden wir die Türe zum Stollen am Köpfchen nach wie vor unverschlossen vor. Offenbar war die über 4 Wochen vorher erfolgte Meldung an Bürgeramt und Ortsverwaltung über das „Verkehrssicherungs“-Problem nicht für wichtig gehalten worden. Zur nicht geringen Überraschung fanden wir auch den Einstieg zum Stollen oberhalb der Dörrwiese unverschlossen vor.

 

Quelle oberhalb der Dörrwiese, Seitenarm des Wickerbachs (Aufnahmen vom 14. März 2017).

Oberhalb der Dörrwiese kann man im Wald unschwer eine trockene Gewässerrinne erkennen. Statt einer Quelle findet man ein Schachtbauwerk, dem Zugang zu einem nicht mehr für den ursprünglichen Zweck genutzten Trinkwasserstollen, einer Komponente der historischen Trinkwasserversorgung von Naurod und der ehemaligen Lungenheilanstalt (heute Wilhelm-Kempf-Haus, Tagungsstätte der Katholischen Kirche). Der Anlage, die in den Aktenfragmenten des Stadtarchivs als „Köpfchen-Stollen“ bezeichnet ist, wurde ca. 1948 gebaut und nach 1965 für die Trinkwasserversorgung aufgegeben. Das Stollenwasser fließt seit 1973 über eine Rohrleitung der Fischteichanlage oberhalb der B 455-Brücke zu (Erlaubnis des Landrats des Main-Taunus-Kreises vom 25. Juli 1973, im Jahr 2000  von der Unteren Wasserbehörde Wiesbaden verlängert, befristet bis 2020).

 

Der Wickerbach von der Quelle am Köpfchen bis zur Laurentius-Kirche in der Obergasse (Aufnahmen vom 14. März 2017).

Unterhalb der Wickerbach-Quelle wurde vor 1932 ein Stollen zur Trinkwassergewinnung für die damalige Lungenheilanstalt Naurod (heute Wilhelm-Kempf-Haus, Tagungsstätte der Katholischen Kirche) angelegt. Das Dargebot und die Qualität des Trinkwassers aus dem Stollen unterhalb der Wickerbach-Quelle („Unterer Stollen“) und anderen lokalen Vorkommen erwies sich aber für die Bedürfnisse der Gemeinde Naurod (damals Main-Taunus-Kreis) und des Sanatoriums auf Dauer als zu gering. Nach 1965 erfolgte die Versorgung mit Trinkwasser aus Tiefbrunnen in der Gemarkung Niederhausen durch den Wasserbeschaffungsverband Niedernhausen-Naurod, an dem sich Hessenwasser beteiligt hat.

Nach Wegfall des Motivs für die Wasserstollen am Köpfchen und oberhalb der Dörrwiese erfolgte aber keineswegs der erforderliche Rückbau der Anlagen. Stattdessen erhielt ein in Naurod ansässiger Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes Wiesbaden vom Landrat des Main-Taunus-Kreises 1973 die Erlaubnis für den Bau einer Fischteichanlage im Wickerbachtal (oberhalb der Brücke der B 455) und deren Speisung mit dem Abfluss aus dem Wasserstollen unterhalb der Wickerbach-Quelle am Köpfchen und dem Wasserstollen oberhalb der Dörrwiese über Rohrleitungen. Die Erlaubnis wurde von der Unteren Wasserbehörde Wiesbaden mit Bescheid vom 14.06.2000 bis 2020 verlängert.

Im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens erfolgte die Neuordnung der Eigentumsverhältnisse im oberen Wickerbachtal. An die Einrichtung von Gewässerparzellen für die Quellarme des Wickerbach wurde dabei bedauerlicherweise nicht gedacht. Der ehemalige Gewässerverlauf zwischen den Quellen und der Fischteichanlage ist im Gelände als Rinnen deutlich zu erkennen. Der sichtbare (oberirdische) Wickerbach beginnt aus dem Ablauf der Fischteichanlage.

Bei den Überlegungen zur Renaturierung des Wickerbachsystems nach den Regeln der EU-Wasserrahmenrichtlinie spielten bisher Überlegungen zur Wiederherstellung der Wickerbach-Quelle und des Quellbachs keine Rolle. Dies sollte sich ändern!

 

Wickerbach

von den Quellgebieten im Distrikt Köpfchen und oberhalb der Dörrwiese im Ortsbezirk Naurod von Wiesbaden bis zum Festplatz von Naurod an der Grenze zur Gemarkung Auringen. Die Aufnahmen entstanden zwischen 2012 und 2015 (September 2012, Mai und Oktober 2013, November 2014 und September 2015). Sie wurden ergänzt durch ältere Fotos von Renaturierungsprojekten und Gewässerschauen aus den Jahren 2002 bis 2010 sowie durch zwei Archivbilder (1930 und 1956).

Der Wickerbach in Naurod leidet unter verschiedenen Beeinträchtigungen: Durch ehemalige Trinkwassergewinnungsanlagen unterhalb der Quelle am Köpfchen und oberhalb der Dörrwiese sind die natürlichen Quellaustritte fast versiegt. Das Wasser wird seit Jahrzehnten nicht mehr als Trinkwasser genutzt sondern speist stattdessen über Rohrleitungen eine private Fischteichanlage. Erst unterhalb der Teiche wird das Fließgewässer sichtbar. Der kleine Bachlauf mit starkem Gefälle ist bis zum Ortsrand mit Natursteinen ausgebaut („Nassauer Gestück“). Kurz vor Erreichen der Obergasse verschwindet der Wickerbach in einer maroden Rohrleitung. Der Bachkanal verläuft entlang des südwestlichen Gehsteigs in der Obergasse, quert an der Laurentius-Kirche die Kirchhohl/Fondetter Straße und verläuft dann weiter am Rand der Auringer Straße. Das Projekt des Umweltamtes zur Wiederherstellung eines offenen Bachgerinnes in der Obergasse, dessen Finanzierung  auf Grundlage der Vorplanung durch Gremienbeschlüsse gesichert war, scheiterte an einer Mischung aus Inkompetenz und Intrigen, stattdessen wurde der marode Bachkanal 2017 mit einem Inliner (Kunststoffabdichtung) abgedichtet. An der Querstraße „Am Holderstrauch“ endet die Verrohrung und der Bach tritt in einen kleinen, aus ehemaligen Gärten vom Umweltamt gestalteten Park ein. Vorbei am Fachwerkgebäude des Nauroder Apfelblüten-Festausschusses fließt der Bach dann zwischen Gärten nach Südwesten. Kurz vor dem Festplatz mündet der Läusbach, ein weiterer Quellbach des Wickerbachsystems, ein. Oberhalb und entlang des Festplatzes wurde ein Abschnitt des Fließgewässers renaturiert (Umweltamt im Jahr 2000, Ausgleichsmaßnahme der städtischen Entsorgungsbetriebe 2008 im Zusammenhang mit der Sanierung der Entlastungsanlagen der Mischabwasserkanalisation und dem Bau eines Rückhaltebeckens). Das aus Sicherheitsgründen eingezäunte, überdimensionierte und die Landschaft verschandelnde Rückhaltebecken entwässert bei Stark- oder Dauerregen in den Wickerbach.